Welt Kompakt 16.11.2006

Gitarrengewitter und Seifenblasen

Dortmund - Eine Bühne. Buntes Schummerlicht. Viele Seifenblasen. Wer in dieser Szenerie Musik zum Kuscheln erwartet, dem fegen die schweren Gitarren der Dortmunder Garagenpunkband Pristine ebenso die Beine weg, wie ausgewachsene Tornados kleine Igluzelte von der Wiese pflücken. Die ungestümen Songs überrollen ihre Hörer mit einer ungeahnten Wucht.
Ihr Name bedeutet soviel wie "rein oder makellos". Aber auch "ursprünglich". Und darauf, ursprünglich zu sein und sich nicht verbiegen zu lassen, kommt es den vier Frauen an. "Musikmachen ohne Kompromisse" nenn sie das auf ihrer Internetseite.
Dazu gehört auch, dass Punkrock für Pristine nicht zwingend politisch sein muss. "Wir sind eine ganz neue Generation von Menschen, die Punkrock machen, beziehen uns eher auf private Dinge", sagt Gitarristin Maren Pristine.
Dementsprechend handeln die Songs nicht von Anarchismus und gesellschaftlichem Aufbegehren, sondern davon, wie man sein Leben selbst in die Hand nehmen und gestalten kann.
Die Musik von Jihni, Maren, Rebecca und Jules klingt, als ob sich ihr volles Potenzial in stickigen, prallgefüllten Klubs entfalten würde. Sie klingt nach ungestümer Kraft und weckt das Verlangen nach rhythmischen Zuckungen. Da erscheint es logisch, dass die Dortmunderinnen großen Wert auf ihre Bühneshow legen. Wenn sie an Wochenenden auftreten, wollen sie das Publikum auch mitreißen, ihm ein Erlebnis bieten. Deshalb begibt sich Sängerin Jihni gerne auf Ausflüge ins Publikum, und aus dem gleichen Grund muss auch die Seifenblasenmaschine mit. "Wir kennen die Situation als Konzertgänger selbst: Eine Band kann noch so gut sein, wenn sie das Publikum nicht einbezieht oder schlecht gelaunt ist, überträgt sich das auf die Stimmung", sagt Maren.
Obwohl die Mitzwanzigerinnen ein stetig wachsendes Publikum begeistern, haben sie noch keinen Plattenvertrag in der Tasche. Das Debütalbum "Hands Up! Hands Up!" brachten sie deshalb kurzerhand selbst heraus und verkauften es auf der letzten Tour, die sie im Rahmen des Pop Camps in neun Tagen durch ganz Deutschland führte und von der sie gerade erst zurück sind.
Mit dem Pop Camp fördert der Deutsche Musikrat junge Bands. Erfahrene Produzenten und Musiker geben dort dem Nachwuchs Tipps in Sachen Songschreiben, Sound und Auftreten. Wer im Camp ist, kann schon was, denn hierher schaffen es in jedem Jahr nur fünf Bands.
Auch wenn die Kritik manchmal schmerzte, die Dortmunderinnen hat sie weitergebracht. "Wir haben schweren Herzens einsehen müssen, dass die Kritik teilweise berechtigt war. Wir müssen noch an uns arbeiten", sagt Maren. So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein Pristine-Album auch hochoffiziell in den Läden zu haben ist.

Von Benjamin Fuchs