
Frankfurter Rundschau 07.04.2007
Pott auf der Zunge
Die Punkband Pristine hart, aber weiblich im Clubkeller
Halb acht aus dem Bandbus gestiegen, dreizehn Punksongs durch Sachsenhausen geföhnt, Stündchen, Krempel gepackt, raus - vorbei ist der zweite Besuch der Band Pristine in Frankfurt, und damit da keine Missverständnisse aufkommen: Ihre Verstärker wollen die vier Musikerinnen aus Bochum und Dortmund "verdammt nochmal" selber aus dem Clubkeller schleppen. In Ordnung. Aber Moment mal: Was war das denn? Waren das die Ramones? Von den Frisuren her schon, aber sie heißen nicht alle mit Nachnamen Ramone, sondern sie heißen alle mit Nachnamen Pristine. Vor allem: Diese vier dunkelhaarigen Menschen tragen geringelte Minikleider, und: Sie bewegen sich, doch. Besonders Sängerin Jihni Pristine, laut Selbstbeschreibung "optisch Asiatin, aber auf der Zunge tiefster Ruhrpott", außer auf der Bühne, dortselbst: englisch. Sie hat uns mitzuteilen, dass sie äußerst wütend über einige Sachverhalte ist, und zwar laut, aber freundlich. Die Lieder, gesammelt auf der brandneuen CD Hands up! Hands up!, brettern durchs Gemäuer wie eine Knastrevolte. Schlagzeugerin Jules Pristine hämmert die Angelegenheit kompromisslos und präzise durch, dazwischen gibt es nicht viel zu sagen außer "Jetzt kommen noch zwei Stücke" oder "Yeah!". Gitarristin Maren Pristine gönnt uns kein einziges Solo, und wissen Sie was? Sie "wird bandintern gerne Volker genannt" (Homepage). Gerne! Vor bald acht Jahren gründete Volker Pristine mit der jagenden Bassistin Rebecca Pristine die Combo, und wir müssen an dieser Stelle streng fragen, in welch jugendlichem Alter Ruhrpotteltern ihre Töchter eigentlich in Probekeller lassen. Aha. Na, dann ist es ja bitte gut. Weiter so, Ruhrpotteltern. ill