Ruhr-Nachrichten Bochum 14.04.2007

"Pristine": Vier unberührte Punkerinnen
Der Debüt-CD folgt der TV-Auftritt

Bochum. "Einmal vom Musik machen leben zu können, das wäre schon super", sagt Maren Volkmann. Sie ist Gitarristin von "Pristine". Der Wunsch könnte bald Wirklichkeit werden. Die Bochumer Combo darf auf den baldigen Durchbruch hoffen.
Ihre erste CD "Hands Up! Hands Up!" erscheint dieser Tage, in Kürze sind sie in der renommierten TV-Sendung "Rockpalast" zu bewundern. Das vergangene Jahr brachte reichlich Unterstützung durch die Kulturförderung. Es läuft derzeit rund bei den vier "kleenen Punkerinnen".
Die Musikerinnen haben sich ruppigen Punk-Klängen verschrieben. Mit berühmten Hochglanzkolleginnen können sie so gar nichts anfangen. "Shakira, boa, das ist auf unserer Hassliste ganz oben", rutscht es Maren Volkmann heraus, als ihr Blick während des Interviews auf eine Zeitung mit dem Bild des hüftschwingenden Teenieschwarms fällt. "Zu lieb, zu romantisch", meint auch "Pristine"-Sängerin Jihn-Young Kim.
Denn lieb und romantisch wollen die Punk-Damen nicht sein. "Rotzig, frech und geradeaus, in die Fresse", wolle man sein, sagt Volkmann. Mit "Frau Volkmann" will sie im Zusammenhang mit der Band aber nicht angesprochen werden. Ihre Nachnamen ersetzen Jihni, Maren, Schlagzeugerin Julia Schmidt und Bassistin Rebecca Kästner in der Regel durch "Pristine". "Unberührt oder vollkommen bedeutet das", erklärt Maren.
Als die Band 1999 startete, kam der Name fast so zufällig zustande, wie die Band selbst: "Angefangen haben Rebecca und ich. Wir hatten verschiedene Musiker im Freundeskreis. Irgendwann wollten wir das auch selbst machen", erinnert sie sich. Den Namen lieh man sich bei "Placebo". "Die haben eine Nummer, die 'Bruise Pristine' heißt. Das klang gut und irgendwie weiblich", sagt Maren. Eine Mädchenband waren "Pristine" aber lange nicht. "Das sind wir erst, seit Julia 2005 dazu kam", erzählt Maren. Vorher trommelten Herren. "Schweinegitarren treffen englischen Fräuleingesang, Cocktailkleidchen die große Rockerpose" sagt der Damen-Vierer über die eigenen Klänge. Neben dem etwas schrillen Leadgesang setzen auch noch trashige Orgelklänge über einen soliden Trommel-Schlagzeug-Grundierung Akzente.
Diese Mischung können Freunde des Punk-Genres nun auf der Debüt-CD der Kapelle hören. Nach längerer Suche haben die Mädels einen Verlag und Vertrieb gefunden. "Damit steht die Startauflage auch in den großen Läden. Das ist schon wichtig", meint Jihni.
In der Rille meißeln konnte die Band die Platte im Frühjahr 2006 nur durch Unterstützung der Musikerinneninitiative "rocksie". Die spendierte ein Stipendium über 5000 Euro. Im Sommer folgte ein Aufenthalt im "Pop Camp" des Deutschen Musikrates. Dort durften die vier Diven nicht nur mit professioneller Hilfe an den eigenen Kompositionen feilen. Auch über Untiefen des Musikbusiness' informierte der "Meisterkurs für populäre Musik" nachhaltig. Jetzt fühlen sich "Pristine" gestählt, um die Rockszene aufzumischen. "Es muss ja mal finanziell was hängen bleiben, auch bei Auftritten", sagt Maren, denn: "Einmal vom Musik machen leben zu können, das wäre schon super".

Niels-Holger Schmidt